Samstag, 30. Dezember 2017

~Buch Rezension~ "Viel näher als zu nah" von Angela Kirchner

Cover- und Zitatrechte: Dressler (Oetinger Gruppe)

Inhalt

„LUCAS Ich sollte Tesa über den Moment kleben, einen Film darüber drehen, was dieses Lächeln mit ihr macht, oder sie darum bitten, einfach einmal am Tag so zu lächeln. Für den Rest ihres Lebens.

FEY Das hier ist viel näher, als zu nah. Meine Hände liegen auf seiner Brust, ich muss sie wegnehmen, damit seine Wärme mich nicht einfängt. Gleich nehme ich sie weg. Gleich.“ – Quelle Klappentext


Der erste Satz...

 
 

Ich kann das. Ich steige jetzt diese Treppe hoch, suche den richtigen Klingelknopf und drücke drauf.“ - Lucas

 
Seite 7
















Zwischen den Seiten

Mit dem kleinen Textausschnitt auf der Buchrückseite dachte ich, dass Fey und Lucas „Viel näher als zu nah“, ihre erste große gemeinsame Liebe erleben, die unter die Haut geht und die alles mit sich reißt, so einfach allerdings lässt sich die Geschichte nicht zusammenfassen.

„Viel näher als zu nah“ ist eine Geschichte, die beginnt, wie viele, mit einer Party und ein erstes Aufeinandertreffen nur endet der Abend so anders als erwartet und dieser Abend verändert das Leben mehrerer junger Leute auf einen Schlag.

Wie passen Schuld und Zuneigung zusammen? Wie leicht ist es eine so ernste Veränderung wie sie Lucas und Fey erleben, abzuschütteln und da weiterzumachen, wo das Leben noch normal gewesen ist.

„Viel näher als zu nah“ wird abwechselnd von Lucas und Fey erzählt, wobei Lucas eindeutig, den meisten Erzählpart bekommt und in die Gefühlswelt eines Jungen so lang eintauchen zu können, hat mir sehr gefallen.

Lucas war bis zu jenem Zeitpunkt ein sorgloser, strahlender junger Mann: Sein
Bike, sein bester Freund, Partys und ein Haufen zwangloser Mädchengeschichten waren bisher sein Leben. Nach dem Einschnitt, ändert sich das alles, ihn plagen Schuldgefühle und er lernt die Grenzen seines Körpers überdeutlich kennen. Schwäche und Ruhepausen wechseln sich ab und sein eigener Konflikt ist nachzuvollziehen. Lucas gibt nicht oft und ist ehrlich im Umgang mit seinen Defiziten. Wie ihn nach wenigen Sekunden, Kraftanstrengung die Puste ausgeht oder wie er am Abend einer Party sich eigentlich nur noch Stille und Abgeschiedenheit sehnt, zeigt, wie sehr sein Leben aus der Bahn geworfen wurde.

Auch an Fey sind die Erlebnisse nicht spurlos am Körper und Seele vorbeigegangen, vor allem die Seele leidet, da Lucas hier als ihr Spiegel agiert. Es ist daher allzu verständlich, dass die beiden keinen leichten Umgang miteinander haben und genau darin liegt der Sog. Die beiden sind absolut perfekt miteinander, ihre Art miteinander zureden, birgt Humor und zeitgleich wirkt alles so bittersüß, weil dieser Abend über Fey und Lucas mit Sekundenkleber haftet.

Ohne Ben, Lucas bester Freund und Lucas Eltern wäre „Viel näher als zu nah“ zu schwermütig, wie gesagt Lucas und Fey machen es sich nicht leicht, weil sie ihre Gründe haben, allerdings bringen Ben und Papa Svensson immer wieder einen lockeren Humor mit, der bei mir gut ankam, vor allem Ben war toll.

Die Autorin Angela Kirchner zeichnet einen lockeren Ton, der sich schnell lesen lässt und die Figuren lebendig macht. Obwohl das Grundthema nicht leicht ist und ich die schwermütigen Gedanken/Gefühle nachempfinde, war ich erstaunt und zufrieden, dass meine eigene Stimmung nicht heruntergezogen wurde. Ich bin auch mit dem Abschluss zufrieden, denn schlimme Dinge können geschehen, das Leben hat aber oft auch noch seine eigenen Ziele, es ist für mich also nicht zu weit hergeholt oder gar zu kitschig.

Fazit

„Viel näher als zu nah“ ist nicht nur eine Liebesgeschichte zwischen Junge und Mädchen, es ist auch eine Geschichte für das Leben und die Freundschaft. Fehler und schlimme Dinge, die daraus entstehen, können passieren. Der Autorin gelingt es die Schuldgefühle und die körperlichen Verletzungen, den Konflikt zwischen Sympathie und Abneigung auf einer Art rüber zu bringen, die mich berührt hat, aber nie runtergezogen hat. Lucas, Fey und Ben konnten mich, trotz allem, immer wieder auch zum Lachen bringen und haben mit ihrer Geschichte gezeigt, dass am Ende längst nicht alles Vergeben und Vergessen ist, dass es aber auch möglich ist, gemeinsam zu wachsen. 5 Sterne.


Vielen Dank an den Verlag, für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.
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© Cover-/Zitatrechte: liegen bei den einzelnen Verlagen und/oder Autoren
© Cindy Raschdorff kumosbuchwolke.blogspot.de

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